Tag 1 – Anreise
Nach der Cocktailparty gestern abend fällt es mir heute richtig schwer um 5:30 aus dem Bett zu kommen, aber der Gedanke heute nachmittag wieder in den Bergen zu sein ist Motivation genug!
Schnell ist die ganze Ausrüstung im Auto verstaut und der heiße Kaffee hält meine Augen offen. Kurz nach sechs komme ich dann los und hole Katrin ab und dann kann es auch schon losgehen in Richtung Berge – endlich wieder, die ersten Hochtouren für dieses Jahr!
Leider wird das Wetter schlechter, je weiter wir nach Süden kommen und im Talschluss des Pitztales in Mittelberg steigen wir am späten Nachmittag im strömenden Regen aus dem Auto. Was für ein Start, aber jammern hilft ja nichts und so packen wir unsere Rucksäcke fertig, hüllen uns in unsere Regenklamotten und beladen wie zwei Packesel beginnen wir den Aufstieg zum Taschachhaus – unserem Stützpunkt für die kommende Woche.

Die ersten Meter vom Pfad führen dur tiefen Morast und dann geht der Weg in einen langweiligen, sich schier ins endlos ziehenden Fahrweg über, der erst bei der Talstation der Materialseilbahn endet. Ab hier beginnt ein Bergpfad, der schnell an Höhe gewinnt. Auch der Regen hört hier auf und geht in dichten Schneefall über. Am Taschachhaus angekommen stehen wir fast Knöcheltief im Neuschnee – das verspricht ja super Bedingungen für die nächsten Tage.


Tag 2
Da wir für heute nur eine recht kurze Tour zum eingehen auf den Pitztaler Urkund geplant haben, müssen wir nicht so sehr früh aufstehen. Nachdem schlechten Wetter von gestern sind wir etwas überrascht, dass heute morgen doch tatsächlich die Sonne durch das kleine Fenster auf unser Lager scheint.
Nach dem doch recht späten Frühstück kommen wir dann doch noch los. In der Sonne ist das meiste vom gestrigen Neuschnee um die Hütte herum schon geschmolzen.


Auf dem Weg zu Grat zwischen Urkundkopf und Pitztaler Urkund müssen wir eine Menge an tiefen Schneefeldern queren, in denen einige DAV-Übungsgruppen dabei sind das stürzen und bremsen im Firn zu üben – als Zuschauer sieht das ganze teils doch recht amüsant aus!
Nach einiger Blockkletterei stehen wir im Sattel unterhalb des Urkund und machen in der Sonnne erstmal eine kurze Pause. Von hier oben kann man sehr gut erkennen, wie die Bedingungen an den geplanten Nordwänden einzuschätzen sind – an fast allen umliegenden Bergen reiht sich Lawinenkegel an Lawinenkegel und ständig hört und sieht man weitere Schneemassen die Hänger runterrauschen!

Frisch gestärkt machen wir uns an den weiteren Aufstieg und folgen dabei ständig dem Blockgrat, wobei wir die hier noch vereinzelten Wechten umgehen. Kurz vor dem letzten Aufschwung zum Gipfel beschließen wir jedoch umzukehren, da die Westflanke des Berges stark lawinengefährdet ist und die Ostflanke ist glatt und abweisend. Die von Süden her heraufziehenden dunklen Wolken erleichtern uns die Entscheidung außerdem. Wir drehen also um und steigen den Blockgrat wieder hinab und von dort nutzen wir für einen zügigen Abstieg alle sich bietenden Schneefelder. In Regenklamotten gehüllt rodelt es sich so richtig großartig die Hänge hinunter und wir haben einen riesen Spaß!


Als wir am Nachmittag wieder auf der Hütte sind ist der Pitztaler Urkund wieder in dichte Wolken gehüllt – wir hätten also vermutlich keine Aussicht vom Gipfel gehabt. Abends erfahren wir, dass keine einzige der vom Taschachhaus aus aufgebrochenen Seilschaftten Gipfelglück hatte. Alle haben sich durch tiefen Schnee kämpfen müssen und spätestens am Einstieg in die Wände umgedreht.
Tag 3
Der Tag beginnt genauso wie angekündigt – mit Regen!
Wozu also früh aufstehen? Aufgrund des Wetters und der ohnehin schlechten Bedingungen für die geplanten Touren kann man ohnehin nicht viel machen ausser einen entspannten Tag auf der Hütte zu verbringen.
Nachdem wir also gemütlich ausgeschlafen und gefrühstückt haben gehen wir ersteinmal in die hütteneigene Kletterhalle – klein aber dennoch ganz nett. Auf Socken steigen wir jeder schnell mal eine Route vor und ziehen es dann doch vor, uns in die Stube zu setzen. Dort machen wir uns anhand der Karte ein paar Gedanken über Touren, welche hier in den nächsten Tagen doch noch machbar sein könnten – leider sieht es nicht so rosig aus.
Als am späten Nachmittag der Regen nachlässt und die Wolken ein wenig aufreißen packen wir schnell ein wenig Ausrüstung ein und machen uns auf den Weg zu einem Gletscherbruch des Taschachferners. Dorten bieten sich zwei sehr kurze Eiswände für ein paar Klettereien an. Als Eisklettern kann man das ganze zwar nicht direkt bezeichnen, vielmehr erinnert das ganze an ein rumgestocher in Crushed-Ice – aber immerhin kann ich so meine neuen Petzl Quarks einweihen.



Nachdem wir beide Eiststufen hinaufgeklettert sind ist das Potenzial des Eisbruchs aber leider schon ausgeschöpft und wir machen uns auf den Rückweg zur Hütte.


Tag 4
Der Tag beginnt genau wie der vorherige – mit schlechtem Wetter! Nur unsere Lagernachbarn stören sich nicht daran und brechen trotz Regen früh um fünf Uhr auf!
Wir dagegen schlafen wieder einmal aus und verbringen wieder einen entspannten Tag auf der Hütte.
Wie auch schon gestern lässt der Regen erst am späten Nachmittag nach und frisch gestärkt mit einer riesen Portion Kaiserschmarrn geht es dann dochmal vor die Hütte. In Regenklamottengehüllt geht es los – das Ziel: das steilste Schneefeld zum rodeln finden.

Rodelpiste
Auf dem Weg zum Gletscher starten wir das Rodelvergnügen mit ein paar kürzeren Schneefelder, bis wir das eigentliche Ziel erreicht haben. Da liegt es vor uns – ein etwa 50° steiles Schneefeld. Im tiefen Schnee ist der Aufstieg recht mühevoll und erst als wir oben stehen und einen Blick hinunter werfen fällt die Steilheit so richtig ins Auge. Auf was haben wir uns da eingelassen? Am unteren Rand des Schneefeldes hat inzwischen eine der Übungsgruppen vom DAV mit ein paar Übungen zum eingraben eines T-Ankers begonnen. Ihre Blicke zu uns hinauf zeigen etwas verwirrtes – sie ahnen wohl was wir vorhaben und erklären uns wohl gerade für ziemlich verrückt. Egal – hauptsache das Ganze macht Spaß!
Tag 5
Endlich ist wieder gutes Wetter und so steht der heutigen Tour nichts im Weg. Aufgrund der Bedingungen haben wir nur eine Wandertour zum Wurmtaler Kopf geplant und müssen entsprechend auch nicht so richtig früh los.


Vom Taschachhaus aus folgen wir dem Offenbacher Höhenweg. Wir haben hier zwar keinen Gletscherkontakt, aber etliche mehr als knietiefe Altschneefelder erschweren das vorankommen doch ganz schön. Dennoch brauchen wir eine Stunde weniger als im Führer angegeben und dabei haben wir uns noch nichtmal wirklich beeilt, ganz im Gegenteil, wir haben gebummelt und viele Fotostops eingelegt.


Der 3228m hohe Wurmtaler Kopf ist der erste Gipfel auf dieser Tour – eigentlich unglaublich. Auf dem Gipfel machen wir eine Ausgiebige Pause und genießen die Aussicht. Auch heute sehen wir von den umliegenden Bergen wieder viel Geröll ausbrechen, vor allem aus der Nordflanke der Eiskastenspitze.



Auf dem Rückweg zur Hütte machen wir noch einen kurzen Abstecher auf den etwa 100m niedrigeren Ostgipfel und das Vordere Köpfle. So sind heute ganze drei Gipfel zusammengekommen – an sich ganz gut für ein paar Tage unterwegs, aber leider hat keines der geplanten Ziele geklappt.



Tag 6 – Abstieg
Da heute für die Mittagszeit kräftige Gewitter gemeldet sind, wollen wir heute schon die Tour beenden und wieder ins Tal absteigen.
Beim packen des Rucksacks muss ich leider feststellen, dass irgendjemand im Trockenraum meine Gamaschen geklaut hat – was für ein Ärgernis!
Ansonsten scheint der Rucksack im Laufe der Woche kaum Gewicht verloren zu haben und beim Abstieg ins Tal komme ihc mir wieder vor wie ein Packesel. Beim Abstieg haben wir noch gutes Wetter und im Gegensatz zum Aufstieg kann man heute auch was von der umgebenden Landschaft erkennen.




Der Regen setzt zum Glück erst ein, als wir das in Mittelberg geparkte Auto erreichen.
Hier endet also die Tour – trotz allem eine schöne und witzige Sache und vor allem ein lohnenswertes Ziel für zukünftige Touren, bei hoffentlich besseren Bedingungen!
Hier nochmal alle Bilder…